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 arabeserk & nett Ach Plan, Ach Sachzwang. | |
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FortsetzungMan hätte hier gerade so gut auch Abschluss als Titel schreiben können. Bei Fortsetzung schwingt aber noch ein Hauch Zukunftshoffnung mit. Deshalb finden Sie hier die letzten paar Berichte aus Syrien sowie zwei Hintergrundartikel vom Rückweg nach Beirut, die nebenan keinen Platz fanden.
| Tag 36: Travellertypologie für Syrien | Wenn man mit dem Rucksack durch Syrien tschalpt und dabei leider aufgrund sprachlicher Mängel wenig Einheimische kennen lernt, so trifft man doch auf allerhand Reisende. Diese wiederum kann man ganz gut nach Nationen schubladisieren, was ich in der folgenden Typologie versucht habe. a) Der relaxte Engländer. Spricht keine Fremdsprachen und redet trotzdem mit allen Leuten. Erzählt Reisestories von allen Erdteilen und scheint durch nichts aus der Ruhe bringen sein. b) der schüchterne Schweizer. Sitzt allein in der Hotellobby oder liegt auf seiner Matte und liest. Er spricht mit niemandem, sondern hält sich an seinen Reiseführer einer bekannten Marke, den er stets bei sich trägt. c) die kulturell interessierte Österreicherin. Sie hat die Sprache des Landes studiert und trägt gerne leichte Hosen mit einem Hauch von orientalischem Design. Manchmal ist sie auch mit dem Kopftuch unterwegs, und ist trotzdem meilenweit von einer Einheimischen zu unterscheiden. Sie macht gerne Notizen in ihrem Journal und geniesst die Aufmerksamkeit der einheimischen Männer, welche sie zuhause vielleicht nicht bekommt. d) der weit gereiste Ire. Er trägt einen Rossschwanz und mindestens hat ein Ohr und eine Intimstelle verpierct. Mit einer teuren Kamera macht er viele Fotos, welche er mit dem mitgebrachten Laptop sofort im Internet publiziert. Er erzählt auch gerne von seinen Reisen, die jedoch erschreckend eintönig klingen. e) die schöne Deutsche und ihr Boyfriend. Sie wandeln eingespielt und innig, untrennbar durch Gassen und Lobbies. Unabhängig aussehend, gönnt sie sich hie und da einen individuellen Blick nach links oder rechts. Ihre Augen versprechen aber selten mehr, als ihr ständiger Bewacher erlauben würde. f) die überforderte Französin. Findet sich im fremden Lande schlecht zurecht und spricht vornehmlich mit Landsleuten, wenn sie sich nicht auf einem ihren ausgedehnten, einsamen & stummen Stadtspaziergängen befindet. Sie sagt oft Aber-Sätze, die nicht rassistisch tönen sollten, weil sie es ja nicht so meint, wie sie es sagt. g) die gut gestellten Holländer Sie reisen zu Zweit oder in Gruppen und verfügen über grosse finanzielle Mittel. Sie essen gerne in französischen Restaurants, leisten sich überall einen Führer und wenn der Bus hält, steigen sie selbstverständlich zuerst ein. Wenn sie französisch sind, sprechen sie alle Einheimischen mit einem unverständlichen Englisch an. f) der unverwüstliche Japaner Reist alleine und hat viel Zeit. Seine Mittel sind sehr bescheiden, sowohl die materiellen wie die sprachlichen. Dass er kaum ein Wort spricht, scheint ihn aber nicht zu stören. Von Natur aus ausdauernd, pflegt er auf sämtliche Transportdienstleistungen zu verzichten, spart sich die Taxe und sucht die touristischen Punkte zu Fuss auf. h) die junge Frau aus Singapur Ist in der freien Wildbahn kaum zu fassen, weil sie die Länder aller Erdteile in unmenschlichem Tempo durchfräst. Bleibt niemals mehr als einen Tag am selben Ort und pflegt die bereisten Länder der Welt buchhalterisch zu zählen. Weiss zwar die steigende, zweistellige Zahl der besuchten Länder stets aufs Land genau, kann sich allerdings nicht mehr an alle Namen erinnern. | | Gepostet von kalb 08:33:51 02.11.2005; | | Kommentare (794): | | Good site |
| Tag 37: Syrische Sexheftli | | Liebe Freunde der Pornographie und Armeeangehörige, auch ehemalige. Die Hemmschwelle zum öffentlichen Gebrauch von nackten Phantasiehilfen ist in uniformierten Männergesellschaften bekanntlich tiefer als anderswo. Das gilt auch für das prüde Syrien, wo ich das Vergnügen hatte, mit einem Bus voll junger Soldaten nach Tartus zu fahren. Die bunten Jungs guckten auch hier in Hochglanzmagazine. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um herkömmliche Herrenheftli, sondern um westliche Mode- und Luxuszeitschriften für Frauen. Die auf den Modestrecken und Werbungen abgebildeten Models, obwohl meist noch knapp züchtig angezogen, sind für die Verhüllung gewohnten Syrer offenbar anregend genug. Geil. | | Gepostet von kalb 00:21:38 03.11.2005; | | Kommentare (46): |
| Tag 38: Zurück nach Beirut (Horror!) | So macht sich der Reisende zurück auf den Heimweg, das Herz voller Fröhlichkeit und den Rucksack voll schweren Souvenirs aus Damaskus. In Beirut wäre er allerdings fast nicht angekommen, denn dazwischen liegt eine besonders rasante, nächtliche Fahrt im Minibus. Die Fahrt war haarsträubend im wörtlichen Sinn und man kriegt unterwegs einige Gelegenheiten, sein Leben zu überdenken und sich das Jenseits vorzustellen. Der Fahrer scheint vom Affen gebissen, obwohl die dunkle Bergstrasse noch stark befahren ist. Man findet das Tempo überrissen und freut sich bei jedem aufkreuzenden Hindernis am Horizont, beispielsweise einer Kurve oder eines breiten Lastwagens, weil man sich eine kleine Bremsung erhofft. Zum Graus der Passagiere denkt der Fahrer jedoch keineswegs ans bremsen, sondern überholt den Laster gleich in der Kurve, ohne auf den Gegenverkehr zu achten. Dabei hatte man ihn noch klagen gehört, vor der Abfahrt, über das Schicksal der armen Taxibusfahrer, welche immer in Unfälle verwickelt würden. Man beginnt, nach Stossgebeten zu suchen. Aha, deshalb sind die Leute hierzulande so religiös. Ein rauchendes Buswrack am Strassenrand trägt wenig zur Beruhigung bei, und man ist dem Spinner sogar dankbar, als er die Reisenden bereits am Stadtrand an einer dunklen Ecke rauskippt, statt bis zum Busbahnhof zu fahren. Der freundliche Mitfahrer findet die vorzeitige Ausladung aber sehr unschicklich und möchte sich mit dem Fahrer anlegen. Leider ist er aber nur etwa 1 Meter 60 gross, und man rät ihm von einer Schlägerei ab. Willkommen zurück in Beirut, wo die Luft auf der Haut klebt und man sich des Lebens freut. | | Gepostet von kalb 11:09:30 04.11.2005; | | Kommentare (2): | | Früher war alles anders | | Ich bin seit 1993 regelmäig in der Region. Damals: keine Beleuchtung in den Straßen, keine Beleuchtung an den Autos - stockdunkel - , Krater in den Straßen; alle 5 km Militärkontrolle (oder sonst irgend einer), Wettrennen mit gegenseitigem Beschuß, da war noch was los. Heute gibt es sogar Ampeln, und manche richten sich sogar danach. Welche Dekadenz! | | Gepostet von mussiba 03:38:21 10.02.2006; |
| Tag 39: Wohnungsangebot mit Haken | Ein kleiner Nachtrag für jene, die sich nach einer Bleibe in der libanesischen Hauptstadt umsuchen. Eine günstige Möglichkeit ist das Foyer des Garcons, die, wie der Name sagt, Buben vorbehalten ist. Das hat für die Bewohner leider den Nachteil, dass sie von Mädchen nicht besucht werden dürfen und dass sie nach 11 nicht mehr aus dem Haus dürfen. Um die Gültigkeit dieser Regeln zu überprüfen, macht man sich trotzdem zum Besuch auf. Der Direktor des züchtigen Foyers sieht aber gar nicht wie ein sittiger Mann aus, er gleicht überraschenderweise eher einem Zuhälter. Im Unterhemd sitzt er rauchend und laut telefonierend hinter seinem Schreibtisch. Auf dem Bildschirm seines Computers steht ein ungelöstes Solitaire-Problem. Am TV tanzt dazu Schakira, auch sie trotz der tiefgekühlten Zimmertemperatur nur leicht bekleidet. Wenn auch der günstige Mietpreis einen Blick in das Foyer rechtfertigte, habe ich nach dem Blick ins das Direktorenbüro genug gesehen. Der Herr Direktor hat mir auch den Curfew bestätigt. Und auf die Frage, ob es keine Ausnahmen gebe, antwortete er wortlos in der arabischen Art: Mit einem leisen Schnalzen und gleichzeitigem Blick nach oben. Verstanden: Niet. | | Gepostet von kalb 12:28:15 07.11.2005; |
| Tag 40: Inbegriffene Installationsarbeiten | „Free Delivery“ steht in Beirut auf jeder Speisekarte und an jedem Imbisstresen. Das ist man der Konkurrenz schuldig. Das gilt aber nicht nur für Esswaren, sondern auch für schwere Haushaltsgeräte. Dort heisst der Slogan „Free Installation“. Man geht also in den Supermarkt und kauft eine Klimaanlage für sein Zimmer im Haus. Der Einbau auf eigene Verantwortung im gemieteten Appartement scheint kein Problem zu sein, obwohl die Gratisinstallation mit ein paar Tagen Wartezeit verbunden ist. Eines Abends hupt es in der Gasse unten, und der Handwerker ist da. Er kommt mit seinem 9-jährigen Sohn, der gut Grimassen schneiden kann. Ich möchte ihn gerne fragen, ob er seine Hausaufgaben schon gemacht hat. Doch er steckt mir die Zunge raus. Nicht inbegriffen im „Free installation“-Dienst ist das Verräumen der Kartonkiste der Klimaanlage und das Aufwischen des Bohrstaubes. Ein Backschisch – zum Beispiel für das Schulgeld des Buben – ist fakultativ. Nicht gratis ist die Installation des Internets. Dafür ist die mit einem eintrittswürdigen Spektakel verbunden. Die Herren Installateure klettern auf das Dach des Nachbarhauses, wo sich ein Kabel ins weltweite Netz befindet. Dieses wird angezapft, worauf das Kabel mit einem Stein über die Gasse geworfen wird - vom Nachbardach aus auf den Balkon. Fertig ist der Anschluss. Bei der Auswahl der Installateure ist jedoch Vorsicht geboten. Sonst lässt man sich die Fernsehbilder von irgendwelchen Kabelpiraten liefern, die monatlich die Gebühren cash einkassieren, obwohl sie das TV-Kabel illegal beim Nachbarn angezapft haben. Alles schon vorgekommen hier. | | Gepostet von kalb 11:10:49 08.11.2005; | | Kommentare (675): |
| Tag 41: Bye Bye Beirut | Nun, es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Im Rückblick war es doch noch recht amüsant, obwohl mein Arabisch es nie auf einen grünen Zedernzweig geschafft hat. Immerhin habe ich am zweitletzten Tag noch einen kulturellen Abend mit traditionellen libanesischen Barden erlebt: Die ganze Beiz steht auf und tanzt. Und besonders sympathisch war der singende Wettstreit der zwei Barden, die sich zum Abschluss abwechseln gegenseitig Verse um die Ohren schlagen. Reimstunde auf libanesisch. Wer der Sprache nicht mächtig ist, muss sich die Blumen der Poesie selber ausmalen. Den letzten Abend gehen wir ins “Prague”. Das Prague ist ein Pup in Hamra, das gerade in ist und darum recht voll. Viele schöne junge Libanesen beiderlei Geschlechts vergnügen sich hier an allen Wochentagen. Das Bier ist mit 5 Dollar zwar etwas teurer als in vergleichbaren Lokalen in Zürich, doch die Stimmung ist grossartig. An die Wand wird ein alter amerikanischer Horrorfilm projiziert und gespielt werden Partyklassiker. Dass die Warteliste für die Sitzplätze nicht so funktioniert wie versprochen, stört uns nicht. Man kann sich auch stehend amüsieren und kommt mit verrückten einheimischen Filmern ins Gespräch. Ein bisschen wehmütig blicke ich zwischendurch auf den Franzosen mit den blonden Rastas, der einsam an der Bar steht, und den man am nächsten Tag am Flughafen wieder sehen soll. Die Kommunikation mit Fremden wird zuhause wohl wieder ein bisschen schwieriger werden. Schade eigentlich. Der Preis für die Taxifahrt zurück zum Flughafen ist versöhnlich. Glücklicherweise habe ich am Tag vor der Abreise gerade rechtzeitig den Taxifahrer aus dem Nachbarhaus getroffen, als er sein Taxi für den Familienausflug packte, und mit ihm abgemacht. Ich muss am anderen Morgen zwar zwei Wakeup-Calls tätigen, doch er bringt mich sicher wieder zum Flughafen. Bye bye Beirut - auf Wiedersehen. | | Gepostet von kalb 14:54:08 09.11.2005; | | Kommentare (13): | | lfkuxmwr czeblwuo | | jznmc phmgqrkz uyowmel synfe ifud hmqpyudga dzkiun | | Gepostet von setmk plxne 22:25:44 17.01.2008; |
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