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 arabeserk & nett Ach Plan, Ach Sachzwang. | |
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Oder auf der Suche nach Wiesen Ich hab also herausgefunden, dass man in drei Wochen nicht arabisch lernen kann und dass das Amüsement in Beirut nicht gratis ist. So zog es mich nach Syrien, ins Nachbarland. Und hier folgt, was mir dort zugestossen ist.
Wenn Sie sich übrigens gerade jetzt fragen, was die hübsche Dame oben rechts soll, dann kann ich Sie beruhigen. Sie soll gar nichts, nur bedeutungsvoll gucken. Der Pudel links hat den selben Auftrag. Wer machts besser? | Tag 21: Grenzformalitäten | Warum krieg ich immer Probleme an Grenzen? Sehe ich wie ein Opfer aus? Strahlt mein geheimer Hass auf das Bürokratische durch meine Schmugglerfassade hindurch? Oder ist es meine Unfähigkeit zum Lügen? Wahrscheinlich letzteres. Als Schweizer hat man normalerweise keine Probleme, spontan an der syrischen Grenze ein Visum zu kaufen, darüber hatte ich mich eingehend informiert. Es sein denn, man übe zufälligerweise einen Beruf aus, den das syrische Regime nicht gern unangemeldet hat. „Journalist“ sage ich bei der Einreise. Und solche Leute sind im Nahen Osten gern politisch interessiert. Politisch Interessierte aber stehen der syrischen Regierung gern skeptisch gegenüber, was diese wiederum nicht schätzt. Jedenfalls löst die Berufsbezeichnung „Journalist“ einen Fragenkatalog aus: Wohnort? Reiseziel? Arbeitgeber? Unterkunft? Den Journalisten kann ich nicht mehr zurück nehmen. Ich will aber Ferien machen und ja nichts arbeiten. Muss halt mein alter Arbeitgeber hinhalten, der mich in diese Wüste geschickt hat. Am Liebsten möchte ich dem Zollbeamten sagen, dass es sich um einen kleinen, unpolitischen Kommerzsender handelt, für den Syrien etwa gleich interessant wie Sibirien ist. Zu spät. Der Beamte hat sich alles notiert und ist zum Chef gegangen. Mein Pass liegt hinter der Schalterscheibe, und nichts passiert. Ich warte. Der Chauffeur meines Bustaxis wird nervös und fragt, was denn los sei. Ein Fax fehle, heisst es, vom Informationsministerium. Der Chauffeur verliert die Geduld, lädt meinen Rucksack aus und fährt weiter. Ich bin geduldig, sehr geduldig. Als mein Pass eine Stunde lang gelegen hat, des Visamärkchens harrend, will ich doch wissen, ob es ein Problem gebe. Man schickt mich ins Problembüro. Der nette Hauptmann, der unter Präsident Assads Bild über die Geschicke der Papierlosen verfügt, versichert mir auf Englisch, es gebe kein Problem. Der Fax des Ministeriums will einfach nicht kommen. Ob er denn anrufen könne, frage ich nach einer weiteren halben Stunde. Ja, schon er könne. Und er sagt mir, es gebe keine Schwierigkeiten. Der Fax aber lässt weiter auf sich warten. Ich bin weiter geduldig, und sehr erfreut, weil ich erstens einen Tee serviert bekomme und zweitens im Ledersessel des Problembüros Zeuge werde von allerlei erschreckter und flehenden Menschen mit mangelnden Papieren. Ich versuche die Kriterien für Nichteintretensentscheide, Ablehnung, Augenzudrücken, etc. des Hauptmanns zu verstehen. Zu Arabern ist er weit weniger freundlich als zu mir, doch leider verstehe ich viel zu wenig. Eine weitere Stunde verstreicht, der Hauptmann schliesst sein Büro, ohne das der Fax gekommen wäre, und mein Dossier wird an den Major weiter gegeben, der nun noch mal nach Damaskus telefonieren kann. Und siehe da, 5 Minuten später, nach mehr als dreistündiger Wartezeit, findet die Formalität den Weg, und mein Pass bekommt die schöne Visumsmarke. Weil mich mit meinem grossen Rucksack kein Bus vor der Grenze mitnehmen will, überschreite ich die Grenze zu Fuss. Soldaten winken mich freundlich rein. Welcome to Syria. | | Gepostet von kalb 12:33:10 26.09.2005; | | Kommentare (16985): | | Die Länge deiner Stränge, Kalb. | | Mach mal halblang, möchte man dir zurufen. Das Internet ist kein Roman, Junge. Nur so als Input. | | Gepostet von kalb 12:35:57 26.09.2005; | Ja, ich kenne das Problembüro auch ganz gut. Je länger man im Libanon war, um so mehr Tee gibt es in Syrien. Je länger man in Syrien war, umso länger dauert es bei den Libanesen. Trotzdem, es ist die Erfahrung wert - das Allergrößte ist es, wenn man mit einem dt. Fahrzeug ankommt (nicht schlecht, wenn man eine Campingausrüstung dabei hat, Toilettenpapier nicht vergessen!!. Als ich Nachts um 02:00 an der libanesichen Grenze nach einem Husarenritt durch Syrien (von der Türkei kommend) mit dem Motorrad aufschlug, wurde ich wie ein Weltmeister gefeiert. Ich hatte den neuen Rekord für die schnellste Durchquerung von Syrien aufgestellt. Ein überschwengliches: Welcome home - mit dem Offizier einige Runden im Dunkeln im Land dazwischen auf dem Mopped gedreht und einen weiteren neuen Rekord gebrochen: für alle Formalitäten weniger als 5 Minuten! | | Gepostet von mussiba 04:09:31 10.02.2006; | | geiles Blog | Hi Als Halblibanese der die Region bisher leider nur für 6 Wochen genießen durfte möchte ich dir ein großes Lob ausprechen. Lustig geschrieben, sehr informativ, treffend formuliert! Bravo! (Und als Sauschwab möchte ich auch noch hinzufügen, dass man an deinem gutem Hochdeutsch den Journalisten erkennt ;-) Weiter so! Schade nur dass du keine gute Sprachschule empfehlen kannst... Cheers Rolf PS: Schade nur dass hier so viele Spammer Kommentare posten ... | | Gepostet von Rolf 16:43:39 16.07.2007; | | Spamjäten | Danke Rolf, hab gerade ein paar Tausend Spameinträge gelöscht und bin dabei auf deinen Eintrag gestossen, der mir erfrischend menschlich schien. Die Sprachschule auf der Visitenkarte würde ich im Fall immer noch empfehlen, wenn jemand mehr Zeit hat. | | Gepostet von kalb 18:03:55 03.12.2007; | | citi cards credit card | | Nice Site! |
| Tag 22: Ankommen in Syrien | | Ja, Hama hama auch gemacht. Die Stadt mit den schönen, riesigen Wasserrädern. Und der Ort, wo man das Ankommen nie vergisst. Am lokalen Markt, wo offenbar kaum jeden Tag ein Tourist vorbei kommt, schreien die Männer von links und rechts „Welcome“. Man glaubt es gern. Ein alter Gemüsehändler strahlt übers ganze Gesicht, zeigt dabei sämtliche paar Zähne, die ihm bleiben und reicht mir zur Begrüssung ein Stück Wassermelone. Ich gehe weiter Richtung Zentrum und komme an einem Elektronikgeschäft vorbei. Ein kleiner Raum voller Schalter, Stecker und Lampen, wo mich zwei Männer herein rufen. Der Chef und sein Angestellter fragen mich aus, reichen mir ihre Oranginaflasche, machen extra Kaffee und lassen mich nicht meine eigenen Zigis rauchen. Dazu unterhalten wir uns fröhlich, obwohl wir uns kaum verstehen. Grossartig. Danke. | | Gepostet von kalb 16:51:52 27.09.2005; | | Kommentare (360): | | Actives Breast Program. |
| Tag 23: ein Fakir mit leuchtendem Picknick | Der freundliche Herr mit Bart und Kopftuch ist im typischen lokalen Pyjamalook gekleidet. Er nimmt in der Reihe hinter uns Platz, und fällt vorerst nur durch eine gewisse ernste Aura auf. Der Bus fährt los, und das obligate komische Video hält die Passagiere knapp davon ab, einzudösen. Plötzlich weckt ein lauter Knall alle. Er kam vom freundlichen Herrn, der gerade eine Neonröhre zerbrochen hat. Nun beginnt er, das eine Ende wie einen Bratspiess zum Mund zu führen und ein Stück abzubeissen. Es knirscht, als er das Glas geduldig mit seinen Zähnen zermalmt. Die Schreckensrufe im Bus scheinen den freundlichen Herrn bei seiner Mahlzeit nicht zu stören. Ernst murmelt er ein paar Gebetsworte und nimmt einen weiteren Biss Neon. Brav isst er weiter, Stück für Stück, dazwischen mal ein gläsiges Lied singend, bis der Bus wegen dem Spektakel angehalten wird. Der freundliche Fakir wird hinaus gebeten, sein Gepäck untersucht. Weil er offensichtlich nur Neonhunger hatte und niemandem als seinem Magen etwas zu leide tun wollte, darf der freundliche Fakir wieder einsteigen und die Busfahrt geht weiter. Die Neonröhre ist unterdessen sowieso restlos verzehrt. | | Gepostet von kalb 15:45:37 28.09.2005; |
| Tag 24: entspannte Ignoranz, der neue Reisetrend | Vielleicht gibt es noch andere Touristen von meiner Sorte. Sie bereisen ein Land aus purer Neugier, ohne das Geringste darüber zu wissen. Keine Ahnung von seiner Geschichte, nur einen Hauch von der politischen Lage und schon gar keine Spur Kenntnis über die zahlreichen zu bewundernden Bauwerke im Land. Ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich nicht gerne so unwissend reise, aber manchmal geht es nicht anders. Der Nachteil an dieser Lage ist, dass man den Tipps von anderen und Reiseführern ausgeliefert ist. Der Vorteil ist, dass man auf überraschend viele Orte trifft, von denen man keine Ahnung hat, aber die unheimlich wichtig scheinen. Von immenser touristischer Bedeutung sogar, wenn nicht für die Touristen, so doch für die Einheimischen sicher. In Syrien handelt es sich bei diesen Orten vor allem um Ruinen. Verlassene byzantinische Steinstädte hier. Die Überreste einer uralten vorrömischen Grossstadt mitten in der Wüste dort. Kirchenüberreste hier. Steingräber dort. Auch moderne Ruinen gibts durchaus, wie die von Israels Armee 1973 komplett dem Erdboden gleichgemachte Stadt Kuneitra. Nichts ist hier mehr zu gebrauchen, und trotzdem trotzen rund fünf Familien der Geisterstadt und wohnen darin. Das Gegenteil ist das Amphitheater von Bosra, südlich von Damaskus. Dieses ist so gut erhalten, dass man gleich für den selben Abend einen Gladiatorenkampf ansagen möchte. Man besichtigt diese Ruinen staunend, eine nach der anderen. Hält inne an den Resten des Pfostens des heiligen Simon, wo dieser vor Jahrhunderten einige Jahrzehnte sitzend verbrachte. Offenbar hatte er ein Problem mit seiner Mutter. Ihr Anblick scheint ihn traumatisiert zu haben, dass er sich auf den Pfosten flüchtete. Er wollte allein sein, wurde aber von unzähligen Pilgern dauernd gestört. Nun ist man also da, als moderner Pilger. Man staunt über längst vergangene Zivilisationen. Über die Dauerhaftigkeit von Steinbauten. Und über das frapierende Fehlen von Leben, das die Phantasie anregt. Und irgendwann hat man genug Ruinen gesehen und möchte Menschen treffen. Warum nicht Beduinen?
| | Gepostet von kalb 17:02:30 29.09.2005; |
| Tag 25: Mittelalterliche Märkte | Die Busse in Syrien sind so behände, dass man innerhalb nützlicher Frist aus der Wüste findet. Das heisst, sofern man sich nicht zu einer überteuerten Oasensafari hat überreden lassen. Ich bin also in Aleppo im Norden Syriens gelandet, wo die Männer mit farbigen Kopftüchern und Pyjamas herumlaufen und die Frauen manchmal ganz in Schwarz, und manchmal auch gar nicht. Aleppo ist der Orient, so wie er mir gefällt. Es gibt hier einen riesigen arabischen Markt, der mit seinen hunderten von Gassen fast noch gleich funktioniert wie seit Jahrhunderten. In der Metzgergasse liegen Schafsköpfe auf, umgarnt von Schafsfuessen, und umsurrt von unvermeidlichen Fliegen. An der Gemüseecke wühlen arabische Damen in Haufen von Auberginen, Gurken und Feigen, und in der Zuckergasse hat ein Zuckermann einen schönen dreifarbigen Zuckerstock gebaut. Um die Ecke kommt mal ein Töff, voller Karacho durch die Leute, mal ein Bauer auf einem quietschenden Esel. Das frisch gebackene, heisse Fladen-Brot legen Sie hier mitten auf der Strasse aus. Oder sie hängen die frischen Fladen aufs Geländer neben der stark befahrenen Kreuzung, bevor sie sie in Plastik packen. Ich tu nun, was in Aleppo sonst alte Männer tun: Ich sitze rum, trinke Kaffee und rauche. Einmal in der Woche nehme ich ein Dampfbad und gucke verschämt zu, wie sich die Einheimischen gegenseitig einseifen und abschruppen. | | Gepostet von kalb 14:22:04 30.09.2005; |
| Tag 26: What a lonely planet indeed | | Schwimmen im Tourismusstrom kann ich gut. Es ist eine mühelose und unterhaltsame Tätigkeit. Man geht Dinge gucken und findet Unterkünfte und reyst voll easy, doch manchmal wird es etwas eng. Ich glaube es ist die Lonely Planet-Bibel, die daran schuld ist. Man sollte keine solchen Rucksackreisebücher mehr kaufen, vor allem wenn man nichts über ein Land weiss, in das man reintrampt. Sonst gerät man beispielsweise in Syrien leicht ins Ruinenabklappern. Man liest und hört von Leuten, die dasselbe Buch lesen. Man liest von Sehenswürdigkeiten, die man ausser Landes nicht einmal des Drandenkens für würdig gehalten hätte. Und weil man sich ja abgrenzen möchte und nicht strömig reisen möchte, ist man gezwungen, die monopolistische Reiseanleitung heimlich unter dem Schlafsack zu konsultieren. Das ist das mindeste an Würde, die man wahren sollte. Unbegreiflich sind mir Paare, die mit der blöden Backpackerbibel vor der Nase durch Pärke stolpern und nach empfohlenen Restaurants suchen, ohne zu gucken, was sonst noch passiert. Ich möchte mal einen Reiseführer schreiben: „Syrien in 14 Tagen, ohne Ruinen“. | | Gepostet von kalb 00:52:08 01.10.2005; |
| Tag 27: Beduinen in Ruinen ruinieren | Die einzigen Bodenschätze der alten Wüstenstadt Palmyra sind Ruinen. Da sind die Einwohner froh, wenn die Touristen, die hierhin kommen, ab und zu ein paar Batzen dazu abgeben. Das geschieht hier ganz subtil, denn die Beduinen von Palmyra sind Meister des Tauschhandels. Eben hat mir ein kleiner Beduinenbub, der extrem gut englisch sprach und extrem schlechte Zähne hatte, 1 Euro 85 verkauft. Für 120 syrische Pfund. Das sind einige Pfunde zuviel auf meiner Goldwaage. Als wohlhabender Bürger mit freigiebigem Herzen tut man es darum gut den Japanern nach. Man geht ganz ohne Geld und Sorgen in die Ruinenstadt. Sorgenfrei an den lauernden Kamelvermietern vorbei, unbeschwert jeden Kopftuchverkäufer links liegen lassend, bis man sich allein inmitten eines 2000-jährigen Kreisels hinsetzt. Ganz relaxt und ohne Furcht, weil ich ja kein Geld bei mir habe, sehe ich den dicken Beduinen kommen, der auf seinem Mofa angebraust kommt. Er sieht ein bisschen aus wie ein Walross, mit seinem Schnauz auch, und will mir ganz unschöne Ketten verkaufen. Dann jedoch zückt er einen Holzfrosch aus seinem Kaftan, den er mit einem Stab sogleich zum Quaken bringt. Ich bin fasziniert. So was habe ich noch nie gesehen. Doch ich habe kein Geld, und auch keine Lust, für dieses hübsche Souvenir weite Wege zu gehen. Aber der Beduine riecht den Reichtum und hat wohl eine Tauschahnung. In meinen herausgezogenen Hosensäcken kommen tatsächlich die letzten paar Münzen zum Vorschein. Und in der Tasche finde ich einen Kodak-Film und 1 Franken 45, welche ich ihm zum Tausch anbiete. Das Walross zeigt nur beschränkt Interesse am Film und heisst mich weiter suchen. Et voilà, ich besitze tatsächlich ein Objekt, das seine Begierde geweckt hat: mein blaues Schweizer Taschenmesser, das mich seit 5 Jahren ständig begleitet, treu und unabdingbar. „Unverkäuflich“, sage ich dem Walross, doch der will es nicht verstehen. Also gut, Sackmesser gegen Frosch, sage ich, und nach einigem Hin- und Her ist der Deal des Sommers perfekt. Ich hab den lustigen Wüstenquaker erstanden, und der dicke Ali hat ein Original Schweizer Sackmesser. Nun bin ich ganz glücklich und sicher, dass ich keine Wertsachen mehr auf mir trage. Bei der nächsten Beduinenhütte will ein Hausmeister Feuerzeuge tauschen. Ich gebe ihm mein Chesterfield-Ding und kriege eines, das zwar voll ist, aber trotzdem nicht funktioniert. Am Abend kehre ich ins Dorf zurück und komme an einem Souvenirstand vorbei. Hier stehen die blöden Holzfrösche zu Dutzenden in allen Grössen in Reihe. Ein Junge kommt und bettelt um europäische Münzen. Ich gebe ihm meine 1 Franken 25 und wünsche ihm, dass er sich dafür Zahnpasta kauft. | | Gepostet von kalb 18:00:54 03.12.2007; | | Kommentare (410): |
| Tag 28: Raucherwaren zum Pflücken | Ich bin ja sonst ein Genussraucher. Es erfreut darum mein Herz, wenn der alte Zigarettenverkäufer am Markt von Tripoli „Sirup für die Lungen“ ausruft. Aber in Syrien kann einem die Lust am Rauchen vergehen. Besonders, wenn man die Angewohnheit hat, gerne einheimische Zigarettenmarken auszuprobieren. Hier heisst das konkret: saudische Zigis schloten. Da beginnt sich aber bald ein Gefühl in der Brust zu entwickeln. Das Gefühl sagt dir, dass Rauchen vielleicht doch ungesund sein könnte, entgegen der bisherigen Erfahrung. Interessant ist, dass dieser Effekt ganz ohne grosse Warnungen auf dem Paket eintritt. In Beirut habe ich erst drei Wochen nicht geraucht, dann aber ging ich an ein Kent Event. Dort musste ich ganz einfach wieder angefangen. Das Kent Event ist ein Anlass, der junge Leute mittels tollen Parties zum Rauchen bewegen soll. Dies geschieht erstens mit Hilfe von putzigen Hostessen, die sehr adrette Figuren haben und fast keine Kleidung. Sie strahlen die typische Kentfröhlichkeit aus. Wenn du Glück hast, schenken sie dir eine Einladung für das nächste Kent Event. Zweitens ermuntert einem auch die Dekoration sehr zum Probieren. Alle Säulen rund um den Partypool sind mit Kentpäckchen garniert. Die Zigis kleben mit Hafties rund um jede Säule. Hopps, und schon hat man eins gepflückt und zum Tisch genommen. So einfach ist es, nach einem Monat Pause wieder mit Rauchen anzufangen. | | Gepostet von kalb 00:59:07 12.10.2005; | | Kommentare (2029): | | Ich sage nur eins: NAGILE. Mein Freund, wie kannst Du in Beirut gewesen sein (und das noch als Raucher) ohne Nagile. | | Gepostet von mussiba 03:51:04 10.02.2006; | | Na, Giele... | | Natürlich hab ichs probiert. Allerdings nur einmal. Im Verhältnis zum verwässerten Rauchgenuss, das die Pfeife bietet, sieht es in meinen Augen einfach zu doof aus. | | Gepostet von kalb 17:58:17 03.12.2007; | | Pills online |
| Tag 29: Gruppenschruppen im arabischen Bad | Was ein Hammam ist, weiss man ja seit einiger Zeit auch in Europa. Ich gehöre allerdings nicht zu den Leuten, die sonst solche Hammams aufsuchen. Und das sardinenbüchsige Sitzdampfbad für eine Person, das ich einmal in Frankreich mit Hammam beschriftet sah, hat nichts zu tun mit jenen arabischen Bädern in Damaskus. Viel ähnlicher sind die Hammams dort den russischen Bädern, ausser dass man sich nicht mit Birkenruten abpeitscht. Und man ist etwas züchtiger, im Orient. Alle schwitzen und baden zwar zusammen, aber um die Hüfte stets streng ein Tuch geschwungen, das niemand zu keiner Zeit ablegt, das gehört sich. Die Einheimischen und Touristen aus orientalischen Ländern gehen in Gruppen ins Bad. Wir reden hier natürlich nur von den Männern. Das Dampfbad ist vielleicht schlafzimmergross, mit zwei kleineren Nebenräumen, und man sieht nur einen Meter weit, wegen dem Dampf halt. Der dickste und älteste einer Gruppe Gäste legt sich nun flach auf den Boden und lässt sich von seinen kleinern Brüdern einseifen. Hinten und vorne. Ausgiebig. Dann schöpft man mit einem kleinen Blechnapf bei einer Fontäne im Raum Wasser und spült sich gegenseitig ab. Ein herrliches, frisches Gefühl, bei dieser Hitze. Nach dem Bad empfängt einem der Masseur, der die Leute im 7-Minuten-Abwisch abfertigt. Ist man dann, nach dem dritten Hin- und her, komplett aufgeweicht und müde, kriegt man trockene, weisse Tücher um Kopf und Schultern. So setzt man sich in die Eingangshalle, die Cafeteria und Garderobe in einem ist. Dort gibts einen Tee, man atmet tief ein, und geniesst das höchste aller Gefühle: Die frische Verschmutzung eines porentief gereinigten Körpers durch eine saudische Zigarette. A propos Saudis: Sie kriegen unfairerweise zwecks eigener Verhüllung immer noch ein paar Tücher mehr. | | Gepostet von kalb 17:45:10 03.12.2007; |
| Tag 30: Wie drehe ich ein packendes Musikvideo | Immer diese blöden Lärmfilme im Bus. Man will doch schlafen, oder wenigstens Wüstenlandschaften begucken. Aber nein, wenn nicht ein sauglatter Spassfilm läuft, so sind es Videos am Band. Man hat genug Zeit, um zu erkennen, dass die Musikvideos in diesem Land bis auf ein paar Nuancen alle völlig gleich sind. 1) Ein meist etwas pummeliger, schon leicht angegrauter, untersetzter Sänger steht an einem Geländer oder sitzt und singt sehr melancholisch. 2) Eine Schöne erscheint ihm, welche er sofort zu jagen beginnt. Er besingt sie oder schleicht ihr durch die ganze Stadt nach. 3) Diese Stadt, die als Kulisse dient, ist eine fremde, sehr berühmte. Der Sänger wird auch stets in einer Luxusumgebung gezeigt: In der Limo, im Helikopter, auf der Yacht oder in seiner Villa in einem fernen Reich. 4) Wenn er sie schliesslich erwischt, die Schöne, so gegen Mitte Video, packt er sie. Er nimmt sie auf die Schultern und wirbelt sie umher. Oder aber das Paar nimmt ein gemeinsames Bad. 5) Dann folgt eine symbolische Tanzszene, sehr züchtig gehalten. 6) Zum Schluss verabschiedet sie sich, entgleitet ihm und er bleibt wehmütig und melancholisch wie am Anfang zurück. | | Gepostet von kalb 15:39:28 16.10.2005; | | Kommentare (2): | | Priska solls richten | | das wäre doch eine aufgabe für priska, so ein packendes video! | | Gepostet von ceze 17:42:30 18.11.2005; |
| Tag 31: Encounters of the Gulf kind | Die Leute vom Golf sind im Libanon und in Syrien etwa das, was amerikanische Touristen in der Schweiz. Sie kommen bei politisch stabiler Lage in Scharen angereist, um sich in den Ferien zu vergnügen. Da ihnen zuhause von strengen Regimes die Hände gebunden sind, lassen Sie in den Ferien die Sau raus und Männer tun sehr gerne das, was weltweit viele Männer gerne tun: Trinken und huren. Im Libanon stehen dazu am Strand und in den Bergen reihenweise Vergnügungszentren bereit, mit internationaler Belegschaft. Dort pflegen die reichen Saudis mit Geld um sich zu werfen und werden deshalb einerseits als Devisenbringer geschätzt, andererseits aber nicht gerade heiss geliebt. Mancher Ölstaatler hat halt noch dickere Autos als es sich die einheimischen Gangsterbosse leisten können. Soweit zu den Klischee. Es gibt aber auch sehr angenehme Begegnungen unter Touristen. Mit den beiden saudischen Familienvätern im Bad, zum Beispiel. Sie sind 10 Jahre früher Vater als europäische Familienväter und haben doppelt so viele Kinder. Oder der Geschäftsmann aus Dubai, der mich in Damaskus zum Sandwich einlädt und stolz darauf ist, dass seine Stadt die sauberste der Welt sei. Sehr sympathisch, der Mann. Fast so liebenswert wie die beiden Touristen aus Oman. Sie sind gross, schlank und haben dunkle Wüstengesichter. Gekleidet im Nachthemd und Sandalen sind sieht man ihnen das beschränkte Reisebudget an. In der Imbissecke bieten sie einem vom Tisch gegenüber einen Biss von ihrem Sandwich an, bevor sie essen. Weil es in ihrem Land so Brauch ist, und weil man so ins Gespräch kommt. | | Gepostet von kalb 14:32:22 17.10.2005; | | Kommentare (3): | | Kannst nächstes Mal auch einen Biss von meinem Sandwich haben... | | Gepostet von Anonym 17:39:30 18.11.2005; | | Liebenswert sind vor allem die Golfer beim Skifahren, mit ihrer eigenwilligen Skibekleidung | | Gepostet von mussiba 03:41:59 10.02.2006; |
| Tag 32: Inspiration für einen Strassenfilm | Die Mercedes, die waren wirklich mal gut. Als sie auch noch süss aussahen, und noch nicht so übergewichtig. Wir sind in einem 60-jährigen weissen solchen Wagen zu fünft hinauf zum Ritterschloss gefahren, von Palmyra aus. Zuerst durch die Wüste, dann den Berg hoch. Dort musste das alte Auto zwar in den ersten Gang, aber es hielt durch. Man konnte halt auch den Motor nicht mehr abstellen, aber das ist sekundär. Dafür könnte man mit dem Wagen vielleicht einen Roadmovie drehen: Armer Mann aus armen Land fährt seinen Oldtimer mit Jahrgang 1946 in dessen Heimatland zurück. Stell dir mal die Hindernisse und Erlebnisse unterwegs vor. Grenzkontrollen, verwunderte Passanten, Autostopper. Es ginge wahrscheinlich dann doch nicht, am Schluss. Weil der Motor zu wenige Ersatzteile enthält. Reich würde der arme Mann also nicht. Aber er wäre wenigstens über ein paar Grenzen gekommen und hätte viel gelernt, unterwegs. Und es hätte Spass gemacht. Nachdem ihm wildfremde Leute um seine schöne alte Kiste benieden haben, hätte er sie gerne wieder heim gefahren. Und wenn sie nicht verrostet ist, dann fährt sie heute noch. Mit Sicherheit. | | Gepostet von kalb 16:53:43 18.10.2005; | | Kommentare (421): |
| Tag 33: Der Zug ins Niemandsland | Die Geschichte der alten Bahn ist sehr romantisch. Sie fuhr schon zu Zeiten von Lawrence und den Arabern von Damaskus nach Amman. Damals karrten die Osmanen ihre Soldaten mit dem Zug in die Wüste, eben um Lawrence und die Araber zu bekämpfen. Dem Zug wurde also schon lange übel zugesetzt, aber so traurig wie heute gings ihm noch nie. Früher war auch die Heraz-Endstation in Damaskus von grossem Glanz. Nun steht zwar das schmucke Gebäude noch, aber die Geleise wurden herausgerissen. Statt dass Züge hin und her fahren, entsteht dort ein bombastischer Block von einem Gebäude; das alte Bahnhofhaus verkommt zum verzierten Eingangstörchen eines Verwaltungskomplexes. Der neue Bahnhof von Damaskus ist etwas näher am Stadtrand, und der Zug nach Jordanien fährt nur noch zwei mal pro Woche. Dafür immerhin noch in beide Richtungen. Die ganze Strecke dauert im Zug fast einen Tag und etwa doppelt so lang wie mit einem Auto. Wer nun eine schöne alte Dampflok erwartet, wird aber enttäuscht. Der Zug besteht aus einer gewöhnlichen, unspektakulären Diesellok, gefolgt von einem offenen Wagen mit Ersatzgeleisen, falls mal ein Stück fehlen sollte. Dahinter kommt ein einzelner alter Bahnwagen. Eine dicke Schicht von Wüstensand auf den schwarzen Polstern überdeckt allfällige Reste von Romantik. Im Zug sind etwas fünf Leute. Da ist noch ein anderer Bahnromantiker, ein Australier, der gerne Geschichten erfindet. Ausserdem reist eine jordanische Familie mit. Sie wollen ihren Kindern das Erlebnis Zugfahren bieten, sagen sie. Mit an Bord sind auch ein, zwei syrische Kontrolleure. Sie gucken, dass man unterwegs keine herumstehenden Panzer oder Kasernen fotografiert. Tomatenfelder darf man. Die grünen Flecken mit viel Volk in der Wüstenlandschaft springen einem ja geradezu in die Linse. Der Zug fährt nie schneller als ein lockeres Lauftempo. In Ortschaften kommt es vor, dass ein doppelt besetztes Fahrrad auf dem Holperweg den Zug überholt! Was an der Grenze noch Spannendes gekommen wäre, weiss ich leider nicht. Ich bin vorher ausgestiegen und nach Bosra gegangen, wo ein spektakuläres Römertheater steht. | | Gepostet von kalb 22:36:36 19.10.2005; | | Kommentare (2): | | Wenn Du die kläglichen Überreste der alten Bahn sehen willst, Wanderer fahre nach Tripolis.(wenigstens waren sie noch vor zwei Jahren da, incl. der Verziehrungen aus der Zeit davor, trozdem für den wahrer Fan besuchenswert). | | Gepostet von mussiba 03:48:33 10.02.2006; |
| Tag 34: Schwierigkeiten einer Schwedin | So schön Syrien ist, so beschränkt bleibt doch der Einblick in die kulturellen Unterschiede, wenn man ein Mann ist. Wieviel spannendener tönt doch die Geschichte von Svenia, die mir auf der Flucht von Damaskus nach Beirut ihr Herz ausschüttet. Svenia ist 20, blond und durch ihre schwedischen Adern fliesst kaltes Wikingerblut. So zog sie entgegen all ihren Vorurteilen bei einem erfolgreichen syrischen Geschäftsmann in dessen Appartement. Da sie keine Miete zahlte, rechnete sie im Austausch durchaus mit einer Erwartungshaltung erotischer Natur. Deutliche, offene Kommunikation, welche jegliches Interesse von schwedischer Seite ausschloss, sollte für klare Verhältnisse sorgen. Die 15-minütigen Avancen des Gastgebers wurden der jungen Dame dann aber doch zu intensiv, so dass sie sich nach mehreren Wochen Versuchsbetrieb doch für die Flucht entschied. Unversehrt und siegreich geblieben einerseits, doch beraubt um eine hübsche Illusion interkultureller Kollokation. Die furchtlose Wikingerin wagte sich in Damaskus auch noch auf eine andere öffentliche Schlachtwiese. Sie versuchte nämlich, in einem Park ein Buch zu lesen. Als Blonde und alleinsitzende Frau erwies sich dies allerdings als unmöglich. Nach wenigen Minuten war sie von ein paar kurdischen Jungs umringt, die sich mit der Exotin unterhalten wollten. Diese hatte jedoch keine Lust zum plaudern – sie wollte ja lesen! – und schickte die Jungs zum Teufel, was wiederum denen nicht passte. Der Tumult rief einen Schwarm älterer Syrer auf den Plan, die nun ihrerseits die Aussersyrische dringlich baten, den Park zu verlassen und nach Hause zu gehen. Dies war aber ein Grund für die Jungs, gegen die Älteren für das Recht der Frau einzusprechen. An die Lektüre eines Buches war nicht zu denken, und die Gruppe streitender Männer im Park wurde erst durch die Polizei aufgelöst. Diese trat in siebenköpfiger Formation auf den Plan, verhörte die Schwedin und durchsuchte ihre Tasche. Nach diesem Tag war ihr die Lust am Musse tun im Park vergangen. Schade eigentlich um den Schatten in syrischen Pärken. | | Gepostet von kalb 13:31:18 22.10.2005; |
| Tag 35: Kleine Kleidungskunde | Wie bereits angetönt, träume ich von einem Katalog der orientalischen Kostüme. Welcher modisch versierte Orientalist publiziert einen illustrierten Atlas aller Varianten der orientalischen Bekleidungen? Wie hilfreich wäre eine solche Klassifikation der diversen Verschleierungen, Pumphosen und Kopftücher, inklusive allfälliger religiöser Bedeutungen und regionalen Vorkommnissen. Ich würde stundenlang in diesem Buch blättern und wüsste dann endlich den Unterschied zwischen den schwarzweissen Arafattüchern und den jordanischen Wüstenturbanen gleichen Musters in Rot. Ebenso interessant wie die Verhüllungsstufen der Frauen ist die arabische Männermode. Wieso tragen die Saudis einen Ring über dem Tuch auf dem Kopf? Welcher Ring passt zu welchem Mann? Ist ein blendend weisser Schlafrock ein Zeichen von Wohlstand? Wo kann ich drusische Pluderhosen kaufen? Meine Lieblingsillustration in diesem Buch wäre jene eines Touristenpaares aus Saudiarabien. Er steht stramm wie ein Italiener mit Sonnenbrille, Shorts und buntem Bermudashirt. Neben ihm seine Frau, gänzlich unsichtbar, total in schwarz gehüllt, und auch das Gesicht mit einem geisterhaften Tuch bedeckt. Meine komischen Gefühle bei der Begegnung mit solchen verhüllten Gestalten haben mich nie verlassen. Hat diese Dame ein Verbrechen begangen, dass sie wie eine Aussätzige durch die Gegend wandelt? Oder handelt es sich bei der schwarzen Tuchgestalt gar um einen Geist. Ausserdem lässt mich bis heute die Frage nicht in Ruhe, nach welchen Kriterien sich denn die einheimischen Herren für ihre Auserwählte entscheiden. Und ob sie, mit Verlaub etwas salopp gesagt, die Katze im Sack kaufen oder nicht. | | Gepostet von kalb 16:27:13 01.11.2005; | | Kommentare (139): | | info | Necessarily I shall advise your site to the friends! Best wishes for you!Thanks for a beautiful site! I have added you in elected! |
Auch hat der Autor wieder einmal ausgeufert. Gut, gibts im phänomenalen SiteBuilder eine Textplatzbeschränkung. Den Bericht über den Schluss der Reise finden Sie nach einem Klick gleich oben rechts.
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