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| Tag 20: Ein Cleenex für alle Fälle |
| Wer im Libanon nach einem Taschentuch sucht, der soll nicht lange nach dem arabischen Wort suchen: Es heisst Cleenex.
Eine Packung dünnster solcher Tücher steht übrigens auf jedem Restauranttisch und auch in Imbissbuden auf der Theke. Die Papierchen dienen dort als Servietten. In Imbisslokalen ohne eingebaute Gefriertruhe werden sie aber von Kunden auch gern als Schweisstücher benützt. A propos Schweiss: Der Taxifahrer Yussuf schützt seinen Hemdkragen mit einem hübschen Stück [>>>] |
| Gepostet von kalb 11:08:13 08.11.2005; Kommentare: 186 Kommentar hinzufügen |
| Tag 19: Heidenspass mit Araberhengsten |
| Alles geht hier den falschen Weg rum. Nicht nur die Schrift, auch das Pferderennen. So ein Tag „at the races“ ist unvergesslich, weil eben nicht nur auf der Rennbahn Araber im Einsatz sind, sondern auch auf der Tribüne. Wer einmal die Stimmung auf der Zielgeraden erlebt hat, der wird kaum mehr von Stimmung sprechen, wenn er einen mitteleuropäischen Sportplatz aufsucht. Der Jubel der rund 200 Pferdenarren ist vergleichbar mit dem Torjubel in einem mittleren, aber randvollen Bundesligastadio [>>>] |
| Gepostet von kalb 12:25:41 07.11.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 18: Eselsbrücken im Libanon |
| Lustig ist das Arabischlernen. Ein Kalb ist ein Hund. Eine Maus ist eine Banane. Man isst also Mäuse, und bei zwei gelben Mäusen redet man von Mauseen. Eine Banane im Wasser wäre dann wohl eine Maymaus. Schuh heisst was. Ein Schuhkran ist ein Dankeschön, ein Schuhfick aber ein baldiges Wiedersehen. Schuhfack Bukra heisst „bis morgen“, frei übersetzt auch „what the fuck tommorrow“.
Fakät, allerdings, das heisst nichts schlimmes, sondern nur „nur“. Ganz einfach hat es Aladi [>>>] |
| Gepostet von kalb 11:05:47 04.11.2005; Kommentare: 72 Kommentar hinzufügen |
| Tag 17: Lessons in Gastfreundschaft |
| Man möchte das auch mal in der Schweiz tun. An einem Sonntag in der Stadt zwei fremde Touristen ansprechen. Die beiden gratis auf den Pilatus bringen, wo sie sowieso hinwollten. Aber weil man jemanden an der Kasse kennt und auch grad hinauf wollte, lädt man sie ein. Man möchte sie dann auf dem Berg zum Kaffee einladen und ihnen alle Berge zeigen. Mit ihnen zurück in die Stadt fahren und sie noch aufs Schiff mitnehmen. In Weggis aussteigen und mit den beiden unangemeldet bei einer Tante vorbe [>>>] |
| Gepostet von kalb 00:19:57 03.11.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 16: Im Zweistromland |
| Keine Angst, ich war nicht da. Und doch: Natürlich wird üblicherweise der Irak oder dessen historische Vorläufernation als Zweistromland bezeichnet, aber auch im Libanon gibt es zwei Ströme, beziehungsweise zwei Stromnetze.
Deren Hüter und neuer libanesische Energieminister ist erstmals ein Vertreter der Hisbollah. Die Hisbollah ist die schiitische, pro-iranische Widerstandsorganisation im Libanon. Das hat insofern einen Bezug zum Zweistromland, weil die Hisbollah im Süden des Landes [>>>] |
| Gepostet von kalb 08:29:09 02.11.2005; Kommentare: 1 Kommentar hinzufügen |
| Tag 15: Hat jemand eine Palästinenserfrage? |
| Ist es ein Zufall, dass man zwar immer wieder von der Palästinenserfrage hört, von der Palästinenser-Antwort jedoch sehr selten die Rede ist?
Auch Englischsprechende wissen: The final settlement of the Israeli-palastinien conflict is a question of settlements. Vielleicht dreht sich darum seit Jahrzehnten alles im Kreis. Doch die Tatsache, dass die Frage sehr schwer beantwortbar scheint, soll uns nicht dazu verleiten, uns nur zynisch mit ihr zu beschäftigen. Im Libanon leben nach Z [>>>] |
| Gepostet von kalb 16:25:33 01.11.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 14: Traurige Taubentäuber |
| In Beirut sind Tauben keine Plage, sondern eine Zier. Jeden Abend, wenn die Sommertemperaturen in der libanesischen Hauptstadt langsam tragbar werden und die Sonne verschwindet, erfreut sich der Pigeon Spotter kreisender Schwärme. Die Tauben kreisen nicht einfach zum Spass. Es handelt sich um Trainingsflüge, kontrolliert und überwacht von einem Taubenmann auf einem der Hochhausdächer.
Zum Beispiel Kamal Abdel Rochman Schatila, der letzte Taubenmann seiner Familie. Jeden Abend setzt er s [>>>] |
| Gepostet von kalb 13:29:37 22.10.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 13: Mussas Märchenschloss |
| Es war einmal ein kleiner Bub im Schuf, der hiess Mussa. Er träumte davon in einem Schloss zu wohnen. Nun war Mussa aber arm, und arme Leute wohnen selten in Schlössern. Deshalb hatte der Lehrer des Buben gar keine Freude an Mussas Traumschlössern. Besonders, weil er davon ständig in der Schule erzählte und versuchte, so die hübsche Sayideh zu beeindrucken. Das Frustrationspotential der Lehrerschaft scheint schon im Libanon des frühen 20. Jahrhunderts gross gewesen zu sein. Denn als der k [>>>] |
| Gepostet von kalb 22:34:36 19.10.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 12: Schwul sein im Schuf |
| Schwule gibt es in ganz Arabien keine. Deshalb ist Homosexualität dort auch verboten. Oder ist es umgekehrt? Vielleicht gibt es auch keine Schwule, weil der Staat es schliesslich verbietet.
Jedenfalls sind offenbar nicht alle gehorsam, was ihre sexuelle Orientierung betrifft. Ich hatte das Vergnügen, bei einem Schwulen aus dem Schuf in dessen Beiruter WG zu hausen. Nennen wir in Nidal. Er verbrachte seine knappe Freizeit mehrheitlich im Ausgang und verzichtete zudem auf die wenigen Stun [>>>] |
| Gepostet von kalb 14:29:02 17.10.2005; Kommentare: 1 Kommentar hinzufügen |
| Tag 11: Kleine Taxometerkunde, harte Dollars wert |
| In Beirut sieht man sofort, woher die deutsche Automarke mit spanischem Frauennamen ihren Ruf hat. Mercedes machte einmal tatsächlich die besten Autos der Welt: Sie kurven auch nach 30 Jahren immer noch zuverlässig durch die Stadt. Die schmucken Farben der Wagen sind ein Spiegel der goldenen Beiruter Zeiten, der 60er und 70er.
Die Fahrer sind so stolz, dass sie dauernd hupen, auch wenn kein potentieller Kunde am Strassenrand steht. Die Fahrt ist verhältnismässig günstig, wenn ma [>>>] |
| Gepostet von kalb 14:27:37 17.10.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 10: Stolze Träger von Nasenpflastern |
| Was macht der wohlhabende Weltenbürger, der bereits über einen dicken Hummer verfügt, mit dem er brummend durchs Land fährt, mit dem Rest seiner flüssigen Mittel? Er will sich vielleicht eine neue Nase machen lassen, was im libanesischen Lande schick ist.
In Beirut befinden sich reihenweise Kliniken, welche die gewünschte Nasenarbeit prompt und zuverlässig erledigen. Niemand käme auf die Idee, die Verschönerung heimlich weit weg machen zu lassen. Nein, das weisse Nasenpflaster wir [>>>] |
| Gepostet von kalb 15:33:11 16.10.2005; Kommentare: 2 Kommentar hinzufügen |
| Tag 9: Arabisch lernen, leicht gemacht |
| Leider ist mein Sprachverständnis bis jetzt noch praktisch ganz unbeeindruckt. So sehr ich mich bemühe, die Einheimischen zu verstehen, das Libanesisch geht mir kaum ins Ohr. Immer wieder lausche ich entrückt den geheimnisvollen Gurgel- und Zischlauten und frage mich, ob die wirklich kommunizieren oder ob sie vielleicht doch nur zum Spass und zwecks Verwirrung dummer Ausländer dadaistische Konversationen führen. Mein Unverständnis mag auch damit zusammenhängen, dass in Beirut sehr viele L [>>>] |
| Gepostet von kalb 09:30:22 13.10.2005; Kommentare: 1 Kommentar hinzufügen |
| Tag 8: wichtige Sätze und kulinarische Grundsätze |
| Ngana hat Glück. Sein Lehrer ist ein dicker Libanese, dessen Magen eben operativ eingeschnürt wurde. Eigentlich dürfte der Tutor deshalb nur wenig Flüssiges essen. Doch seine Schüler müssen ja auch bedient werden, das verlangt die Gastfreundlichkeit.
So offeriert der Lehrer ihnen, wie es sich gehört, kleine Leckerbissen und Süssigkeiten. Und solang der Doktor nicht zuschaut, gönnt er sich auch ein paar Häppchen. Nganas Glück dabei ist, dass er verköstigt wird und dabei Sätze l [>>>] |
| Gepostet von kalb 00:54:20 12.10.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 7: Frische Fussspuren zum Probieren |
| Wenn es Archäologen gibt, die sich mit den Spuren der Fauna des zeitgenössischen Beirut beschäftigen, so möchte ich bei denen ein Praktikum machen. Unerschöpflich sind die wissenschaftlichen Reservoire, welche hinter den Fussabdrücken verborgen sind, die sich im Beton von sämtlichen Trottoiren der libanesischen Hauptstadt finden. Da könnte man eine hübsche kleine Fusswerk-Soziologie der einheimischen Bevölkerung schreiben. Wo ist die grosszügige Bildungsanstalt, welche diese dringende [>>>] |
| Gepostet von kalb 17:25:29 11.10.2005; Kommentare: 404 Kommentar hinzufügen |
| Tag 6: Vom Hupen und Hornen |
| Einen kleinen, runden, aber recht tiefen Eindruck haben meine beiden Trommelfelle erhalten. Das hat mit dem libanesischen Hang zum Hupen zu tun, dem die Autofahrer gerne huldigen. Die Taxifahrer in ihren rund 30-jaehringen, bunten Mercedes hupen bei jedem Fussgänger auf dem Trottoir, um Kundschaft aufzuladen. Dabei haben die, die ein Taxi wollen, eigentlich nur auf die Strasse zu stehen, es kommt immer eins vorbei.
Im libanesischen Verkehrswesen gibt es aber auch für Private immer mal wi [>>>] |
| Gepostet von kalb 00:50:30 01.10.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 5: Beim heiligen Joseph persönlich |
| Wer in Beirut arabisch lernen will, der findet im Internet möglicherweise nur den Kurs „Université St. Joseph“. Den Kursort dann auch in Beirut selbst zu finden, ist allerdings noch schwieriger. Das Taxi lässt einem beim College „St. Joseph“ raus, einer Primarschule in Achrafieh, ein rechtes Stück entfernt von der Universität mit dem gleichen Namenpatron.
Ein erstes Mal verloren in den heissen Hängen der Stadt, versuche ich die Schule anzurufen. Und siehe da, am Telefon melde [>>>] |
| Gepostet von kalb 14:13:18 30.09.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 4: Fröhlich in Touristenfallen treten |
| Beirut. Beim Hotel Intercontinental trifft man auf Achmed. Er ist ein rüstiger Rentner und lauert dort auf frische, ortsunkundige Ankömmlinge, die ihren Besuch gerne mit einem Strandspaziergang starten. Achmed kommt auf dich zu und grüsst dich freundlich, nur um dir ein unverbindliches Angebot zu machen. Eine einstündige Stadtrundfahrt in seinem alten Mercedes-Taxi zum Super-Studenten-Discount-Preis von läppischen 20 Dollar. Dazu verspricht er sehr gute Informationen, die im Preis inbegri [>>>] |
| Gepostet von kalb 16:55:58 29.09.2005; Kommentare: 2 Kommentar hinzufügen |
| Tag 3: Fit werden à la libanaise |
| La Corniche. So nennt man im Libanon Strandpromenaden. Die Corniche von Beirut ist besonders lang, und sie macht eine Kurve, in der ein Leuchtturm steht. Auch ist sie mit Beachclubs gesäumt, in denen man im Salzwasserpool baden und Fruchtsäfte laben kann.
Am Promenieren ist vor allem abends viel Volk, doch selbst in der brütenden Hitze lohnt sich ein Abstecher zum Meerweg, weil sich dort manche Beiruter fit halten. Schliesslich zollen auch die Libanesen dem Fastfood ihren Tribut. D [>>>] |
| Gepostet von kalb 15:43:57 28.09.2005; Kommentare: 5 Kommentar hinzufügen |
| Tag 2: Meuchelmücken und Bomben |
| Ist die Gepflogenheit der Rache im Nahen Osten vielleicht so ausgeprägt, weil man nachts von Mücken um den Schlaf gebracht wird? Gross ist jedenfalls die Erleichterung, welche einem das morgendliche Killen des kleinen Schlafräubers verschafft. Schön ist auch der Kontrast des blutroten Flecks mit dem Weiss der Wand. Was könnte schöner als Töten sein?
Die Beiruter versuchen ihr Bestes, trotz den Bomben ein normales Leben zu führen. Die Armee zeigt sich überall und massiv, auch in uns [>>>] |
| Gepostet von kalb 16:49:41 27.09.2005; Kommentare: 8 Kommentar hinzufügen |
| Tag 1: Landen im Libanon |
| Larnaca - Beirut. Von Zypern, wo der Ferienflieger die Ferienflieger absetzte, ist es nur noch einen Sprung nach Beirut. Das Flugzeug hebt ab und steigt, aber kaum ist es in der Luft, beginnt es schon wieder zu sinken. Trotz der kurzen Flugzeit pflegt man in Beirut noch zu applaudieren, wenn der Flieger sicher landet. Vielleicht hat das aber auch mit der zypriotischen Airline zu tun. Der Flughafentaxi-Chauffeur, der mich zur exorbitanten Taxe in die Stadt fährt, verliert keine Sekunde, um mich [>>>] |
| Gepostet von kalb 12:21:31 26.09.2005; Kommentare: 91 Kommentar hinzufügen |