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| Tag 27: Beduinen in Ruinen ruinieren |
| Die einzigen Bodenschätze der alten Wüstenstadt Palmyra sind Ruinen. Da sind die Einwohner froh, wenn die Touristen, die hierhin kommen, ab und zu ein paar Batzen dazu abgeben.
Das geschieht hier ganz subtil, denn die Beduinen von Palmyra sind Meister des Tauschhandels. Eben hat mir ein kleiner Beduinenbub, der extrem gut englisch sprach und extrem schlechte Zähne hatte, 1 Euro 85 verkauft. Für 120 syrische Pfund. Das sind einige Pfunde zuviel auf meiner Goldwaage. Als wohlhab [>>>] |
| Gepostet von kalb 18:00:54 03.12.2007; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 29: Gruppenschruppen im arabischen Bad |
| Was ein Hammam ist, weiss man ja seit einiger Zeit auch in Europa. Ich gehöre allerdings nicht zu den Leuten, die sonst solche Hammams aufsuchen. Und das sardinenbüchsige Sitzdampfbad für eine Person, das ich einmal in Frankreich mit Hammam beschriftet sah, hat nichts zu tun mit jenen arabischen Bädern in Damaskus.
Viel ähnlicher sind die Hammams dort den russischen Bädern, ausser dass man sich nicht mit Birkenruten abpeitscht. Und man ist etwas züchtiger, im Orient. Alle schw [>>>] |
| Gepostet von kalb 17:45:10 03.12.2007; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 41: Bye Bye Beirut |
| Nun, es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Im Rückblick war es doch noch recht amüsant, obwohl mein Arabisch es nie auf einen grünen Zedernzweig geschafft hat. Immerhin habe ich am zweitletzten Tag noch einen kulturellen Abend mit traditionellen libanesischen Barden erlebt: Die ganze Beiz steht auf und tanzt. Und besonders sympathisch war der singende Wettstreit der zwei Barden, die sich zum Abschluss abwechseln gegenseitig Verse um die Ohren schlagen. Reimstunde auf libanesisch. Wer der Sprache n [>>>] |
| Gepostet von kalb 14:54:08 09.11.2005; Kommentare: 6 Kommentar hinzufügen |
| Tag 40: Inbegriffene Installationsarbeiten |
| „Free Delivery“ steht in Beirut auf jeder Speisekarte und an jedem Imbisstresen. Das ist man der Konkurrenz schuldig. Das gilt aber nicht nur für Esswaren, sondern auch für schwere Haushaltsgeräte. Dort heisst der Slogan „Free Installation“. Man geht also in den Supermarkt und kauft eine Klimaanlage für sein Zimmer im Haus. Der Einbau auf eigene Verantwortung im gemieteten Appartement scheint kein Problem zu sein, obwohl die Gratisinstallation mit ein paar Tagen Wartezeit verbunden i [>>>] |
| Gepostet von kalb 11:10:49 08.11.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 39: Wohnungsangebot mit Haken |
| Ein kleiner Nachtrag für jene, die sich nach einer Bleibe in der libanesischen Hauptstadt umsuchen. Eine günstige Möglichkeit ist das Foyer des Garcons, die, wie der Name sagt, Buben vorbehalten ist. Das hat für die Bewohner leider den Nachteil, dass sie von Mädchen nicht besucht werden dürfen und dass sie nach 11 nicht mehr aus dem Haus dürfen. Um die Gültigkeit dieser Regeln zu überprüfen, macht man sich trotzdem zum Besuch auf. Der Direktor des züchtigen Foyers sieht aber gar nicht [>>>] |
| Gepostet von kalb 12:28:15 07.11.2005; Kommentare: 17 Kommentar hinzufügen |
| Tag 38: Zurück nach Beirut (Horror!) |
| So macht sich der Reisende zurück auf den Heimweg, das Herz voller Fröhlichkeit und den Rucksack voll schweren Souvenirs aus Damaskus. In Beirut wäre er allerdings fast nicht angekommen, denn dazwischen liegt eine besonders rasante, nächtliche Fahrt im Minibus. Die Fahrt war haarsträubend im wörtlichen Sinn und man kriegt unterwegs einige Gelegenheiten, sein Leben zu überdenken und sich das Jenseits vorzustellen.
Der Fahrer scheint vom Affen gebissen, obwohl die dunkle Bergstrasse n [>>>] |
| Gepostet von kalb 11:09:30 04.11.2005; Kommentare: 1 Kommentar hinzufügen |
| Tag 37: Syrische Sexheftli |
| Liebe Freunde der Pornographie und Armeeangehörige, auch ehemalige. Die Hemmschwelle zum öffentlichen Gebrauch von nackten Phantasiehilfen ist in uniformierten Männergesellschaften bekanntlich tiefer als anderswo. Das gilt auch für das prüde Syrien, wo ich das Vergnügen hatte, mit einem Bus voll junger Soldaten nach Tartus zu fahren. Die bunten Jungs guckten auch hier in Hochglanzmagazine. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um herkömmliche Herrenheftli, sondern um westliche Mode- und [>>>] |
| Gepostet von kalb 00:21:38 03.11.2005; Kommentare: 15 Kommentar hinzufügen |
| Tag 36: Travellertypologie für Syrien |
| Wenn man mit dem Rucksack durch Syrien tschalpt und dabei leider aufgrund sprachlicher Mängel wenig Einheimische kennen lernt, so trifft man doch auf allerhand Reisende. Diese wiederum kann man ganz gut nach Nationen schubladisieren, was ich in der folgenden Typologie versucht habe.
a) Der relaxte Engländer. Spricht keine Fremdsprachen und redet trotzdem mit allen Leuten. Erzählt Reisestories von allen Erdteilen und scheint durch nichts aus der Ruhe bringen sein. b) der schà [>>>] |
| Gepostet von kalb 08:33:51 02.11.2005; Kommentare: 794 Kommentar hinzufügen |
| Tag 35: Kleine Kleidungskunde |
| Wie bereits angetönt, träume ich von einem Katalog der orientalischen Kostüme. Welcher modisch versierte Orientalist publiziert einen illustrierten Atlas aller Varianten der orientalischen Bekleidungen? Wie hilfreich wäre eine solche Klassifikation der diversen Verschleierungen, Pumphosen und Kopftücher, inklusive allfälliger religiöser Bedeutungen und regionalen Vorkommnissen.
Ich würde stundenlang in diesem Buch blättern und wüsste dann endlich den Unterschied zwischen den schw [>>>] |
| Gepostet von kalb 16:27:13 01.11.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 34: Schwierigkeiten einer Schwedin |
| So schön Syrien ist, so beschränkt bleibt doch der Einblick in die kulturellen Unterschiede, wenn man ein Mann ist. Wieviel spannendener tönt doch die Geschichte von Svenia, die mir auf der Flucht von Damaskus nach Beirut ihr Herz ausschüttet. Svenia ist 20, blond und durch ihre schwedischen Adern fliesst kaltes Wikingerblut.
So zog sie entgegen all ihren Vorurteilen bei einem erfolgreichen syrischen Geschäftsmann in dessen Appartement. Da sie keine Miete zahlte, rechnete sie im Austa [>>>] |
| Gepostet von kalb 13:31:18 22.10.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 33: Der Zug ins Niemandsland |
| Die Geschichte der alten Bahn ist sehr romantisch. Sie fuhr schon zu Zeiten von Lawrence und den Arabern von Damaskus nach Amman. Damals karrten die Osmanen ihre Soldaten mit dem Zug in die Wüste, eben um Lawrence und die Araber zu bekämpfen. Dem Zug wurde also schon lange übel zugesetzt, aber so traurig wie heute gings ihm noch nie.
Früher war auch die Heraz-Endstation in Damaskus von grossem Glanz. Nun steht zwar das schmucke Gebäude noch, aber die Geleise wurden herausgerissen. Sta [>>>] |
| Gepostet von kalb 22:36:36 19.10.2005; Kommentare: 1 Kommentar hinzufügen |
| Tag 32: Inspiration für einen Strassenfilm |
| Die Mercedes, die waren wirklich mal gut. Als sie auch noch süss aussahen, und noch nicht so übergewichtig. Wir sind in einem 60-jährigen weissen solchen Wagen zu fünft hinauf zum Ritterschloss gefahren, von Palmyra aus. Zuerst durch die Wüste, dann den Berg hoch. Dort musste das alte Auto zwar in den ersten Gang, aber es hielt durch. Man konnte halt auch den Motor nicht mehr abstellen, aber das ist sekundär.
Dafür könnte man mit dem Wagen vielleicht einen Roadmovie drehen: Armer M [>>>] |
| Gepostet von kalb 16:53:43 18.10.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 31: Encounters of the Gulf kind |
| Die Leute vom Golf sind im Libanon und in Syrien etwa das, was amerikanische Touristen in der Schweiz. Sie kommen bei politisch stabiler Lage in Scharen angereist, um sich in den Ferien zu vergnügen. Da ihnen zuhause von strengen Regimes die Hände gebunden sind, lassen Sie in den Ferien die Sau raus und Männer tun sehr gerne das, was weltweit viele Männer gerne tun: Trinken und huren.
Im Libanon stehen dazu am Strand und in den Bergen reihenweise Vergnügungszentren bereit, mit interna [>>>] |
| Gepostet von kalb 14:32:22 17.10.2005; Kommentare: 2 Kommentar hinzufügen |
| Tag 30: Wie drehe ich ein packendes Musikvideo |
| Immer diese blöden Lärmfilme im Bus. Man will doch schlafen, oder wenigstens Wüstenlandschaften begucken. Aber nein, wenn nicht ein sauglatter Spassfilm läuft, so sind es Videos am Band. Man hat genug Zeit, um zu erkennen, dass die Musikvideos in diesem Land bis auf ein paar Nuancen alle völlig gleich sind.
1) Ein meist etwas pummeliger, schon leicht angegrauter, untersetzter Sänger steht an einem Geländer oder sitzt und singt sehr melancholisch. 2) Eine Schöne erscheint ihm, [>>>] |
| Gepostet von kalb 15:39:28 16.10.2005; Kommentare: 1 Kommentar hinzufügen |
| Tag 28: Raucherwaren zum Pflücken |
| Ich bin ja sonst ein Genussraucher. Es erfreut darum mein Herz, wenn der alte Zigarettenverkäufer am Markt von Tripoli „Sirup für die Lungen“ ausruft. Aber in Syrien kann einem die Lust am Rauchen vergehen. Besonders, wenn man die Angewohnheit hat, gerne einheimische Zigarettenmarken auszuprobieren. Hier heisst das konkret: saudische Zigis schloten.
Da beginnt sich aber bald ein Gefühl in der Brust zu entwickeln. Das Gefühl sagt dir, dass Rauchen vielleicht doch ungesund sein könn [>>>] |
| Gepostet von kalb 00:59:07 12.10.2005; Kommentare: 1290 Kommentar hinzufügen |
| Tag 26: What a lonely planet indeed |
| Schwimmen im Tourismusstrom kann ich gut. Es ist eine mühelose und unterhaltsame Tätigkeit. Man geht Dinge gucken und findet Unterkünfte und reyst voll easy, doch manchmal wird es etwas eng. Ich glaube es ist die Lonely Planet-Bibel, die daran schuld ist. Man sollte keine solchen Rucksackreisebücher mehr kaufen, vor allem wenn man nichts über ein Land weiss, in das man reintrampt. Sonst gerät man beispielsweise in Syrien leicht ins Ruinenabklappern. Man liest und hört von Leuten, die dass [>>>] |
| Gepostet von kalb 00:52:08 01.10.2005; Kommentare: 13 Kommentar hinzufügen |
| Tag 25: Mittelalterliche Märkte |
| Die Busse in Syrien sind so behände, dass man innerhalb nützlicher Frist aus der Wüste findet. Das heisst, sofern man sich nicht zu einer überteuerten Oasensafari hat überreden lassen.
Ich bin also in Aleppo im Norden Syriens gelandet, wo die Männer mit farbigen Kopftüchern und Pyjamas herumlaufen und die Frauen manchmal ganz in Schwarz, und manchmal auch gar nicht. Aleppo ist der Orient, so wie er mir gefällt. Es gibt hier einen riesigen arabischen Markt, der mit seinen hund [>>>] |
| Gepostet von kalb 14:22:04 30.09.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 24: entspannte Ignoranz, der neue Reisetrend |
| Vielleicht gibt es noch andere Touristen von meiner Sorte. Sie bereisen ein Land aus purer Neugier, ohne das Geringste darüber zu wissen. Keine Ahnung von seiner Geschichte, nur einen Hauch von der politischen Lage und schon gar keine Spur Kenntnis über die zahlreichen zu bewundernden Bauwerke im Land.
Ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich nicht gerne so unwissend reise, aber manchmal geht es nicht anders. Der Nachteil an dieser Lage ist, dass man den Tipps von anderen und Reise [>>>] |
| Gepostet von kalb 17:02:30 29.09.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 23: ein Fakir mit leuchtendem Picknick |
| Der freundliche Herr mit Bart und Kopftuch ist im typischen lokalen Pyjamalook gekleidet. Er nimmt in der Reihe hinter uns Platz, und fällt vorerst nur durch eine gewisse ernste Aura auf. Der Bus fährt los, und das obligate komische Video hält die Passagiere knapp davon ab, einzudösen. Plötzlich weckt ein lauter Knall alle. Er kam vom freundlichen Herrn, der gerade eine Neonröhre zerbrochen hat.
Nun beginnt er, das eine Ende wie einen Bratspiess zum Mund zu führen und ein Stück abz [>>>] |
| Gepostet von kalb 15:45:37 28.09.2005; Kommentare: 0 Kommentar hinzufügen |
| Tag 22: Ankommen in Syrien |
| Ja, Hama hama auch gemacht. Die Stadt mit den schönen, riesigen Wasserrädern. Und der Ort, wo man das Ankommen nie vergisst. Am lokalen Markt, wo offenbar kaum jeden Tag ein Tourist vorbei kommt, schreien die Männer von links und rechts „Welcome“. Man glaubt es gern. Ein alter Gemüsehändler strahlt übers ganze Gesicht, zeigt dabei sämtliche paar Zähne, die ihm bleiben und reicht mir zur Begrüssung ein Stück Wassermelone. Ich gehe weiter Richtung Zentrum und komme an einem Elektroni [>>>] |
| Gepostet von kalb 16:51:52 27.09.2005; Kommentare: 193 Kommentar hinzufügen |
| Tag 21: Grenzformalitäten |
| Warum krieg ich immer Probleme an Grenzen? Sehe ich wie ein Opfer aus? Strahlt mein geheimer Hass auf das Bürokratische durch meine Schmugglerfassade hindurch? Oder ist es meine Unfähigkeit zum Lügen?
Wahrscheinlich letzteres. Als Schweizer hat man normalerweise keine Probleme, spontan an der syrischen Grenze ein Visum zu kaufen, darüber hatte ich mich eingehend informiert. Es sein denn, man übe zufälligerweise einen Beruf aus, den das syrische Regime nicht gern unangemeldet hat. [>>>] |
| Gepostet von kalb 12:33:10 26.09.2005; Kommentare: 4 Kommentar hinzufügen |